August 2008


Insgesamt Platz zwei für die deutschen Ruderer auf den europäischen Hochschulmeisterschaften; Gold für Vera Dohmen

Zagreb. (jb) „Ich bin im meinem Leben noch nie so ein schönes Rennen gefahren“ freute sich Katlehn Rodewald über ihren zweiten Platz im Riemen-Vierer bei den European Universities Rowing Championchips (EURC). Zusammen mit Schlagfrau Katharina Fricke, Jessica McAlear und Anna-Lena Schatten musste sie am Wochenende in Zagreb nur hinter der polnischen University of Economics zurückstecken, die auf der zweiten Streckenhälfte mit höherem Durchhaltevermögen punktete.

Auch im Achter war die Heidelberger Mannschaft mit ihrem Rennen hoch zufrieden. Beim Bahnverteilungslauf am Donnerstag hatte es zur drittbesten Zeit gereicht, und im Finale sah es nach 500 Metern noch nach Medaillenglück aus. Mit nur sieben Zehnteln lag die Mannschaft auf Platz zwei hinter Utrecht University, mit immerhin zwölf Zehntelsekunden Abstand auf das Boot aus Birmingham. Und obwohl die Mannschaft weiterhin einen guten Streckenschlag fuhr, zogen auf der weiteren Strecke sowohl die Briten, als auch die Züricher noch vorbei. „Für uns war hier einfach nicht mehr drin“, würdigte Trainer Falko Lohberger den vierten Platz und das hohe Niveau der Gegner.

„Leider haben wir in Deutschland keine solche Hochschulsportkultur, wie sie beispielsweise in Holland oder Großbritannien verankert ist. Wir waren schon froh, genug Interessentinnen für unseren Achter zusammenzubekommen – daher freut es uns so sehr, den ausländischen Auswahlmannschaften Paroli bieten zu können“, kommentierte Ruderin Marieke Neubauer. Auch sei man in Deutschland immer auf einen guten Verein im Hintergrund angewiesen. Ohne die Unterstützung des Heidelberger Ruderklubs, der Bootsmaterial und Trainer stellte, sei für die Ruperto Carola die Teilnahme in Zagreb ebenso wenig denkbar gewesen, wie für die meisten anderen deutschen Hochschulmannschaften.

Umso erfreulicher ist es, dass die deutschen Universitäten in der Länderwertung noch auf den zweiten Platz kam – mit vier Siegen und insgesamt 11 Medaillen bei 16 Rennteilnahmen. Ihren Anteil hatte daran auch HRK-Mitglied Vera Dohmen, für ihren Studienort Karlsruhe startete: im Finale der Frauen-Einer düpierte sie ihre Gegnerinnen und wurde mit vier Bootslängen Vorsprung Hochschul-Europameisterin.

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Am kommenden Sonntag ist es wieder soweit: die Rugbybundesliga startet mit 2 Heidelberg – Derbys für den HRK. Der Klub wird gegen die Löwen aus Handschuhsheim das erste Spiel der Saison austragen und anschließend spielen die 2ten Mannschaften gegeneinander.

Die Stimmung im Seniorenkader ist sehr gut, die Vorbereitung der Mannschaften war Klassen besser als in der Rückrunde der letzten Saison und das, obwohl Urlaubszeit ist. Natürlich sollten für 2. Bundesliga – Mannschaften mehr als 40 Leute bei jedem Training auf dem Platz sein, aber das ist ein Luxus, den man sich in der Urlaubszeit nicht immer leisten kann. Aber auf insgesamt 38 Spieler kam man dann doch in der Vorbereitungsphase.

Der neue Trainer Murray Archibald leitet ein straff organisiertes Training, in welchem man fast durchgehend den Ball in der Hand hat und eigentlich gar nicht merkt, wie viel man läuft.

Auch Sean Armstrong, der quirlige australische Gedrängehalb, welcher in der letzten Saison /Hinrunde für den HRK auflief, ist wieder in Heidelberg eingetroffen, um zusammen mit Jaco Erasmus (SA) und Julio Rodrigues (VZ,) beide aus ihrem Heimaturlaub zurück, den Klub zu verstärken.

Neuzugänge sind eigentlich alles alte Bekannte. So konnten mit Manuel Ballarin, Dominik Bastian und Mark Kielnecker 3 Spieler, welche in der Vergangenheit schon für den HRK spielten, zurück gewonnen werden.

Jörg Bielinski und Mark Biesinger sowie Markus Ehrhard wendeten ihren alten Vereinen TSV und SCN zu den Rücken und schlossen sich ebenfalls dem Team vom HRK an

Wir sind zuversichtlich, die Schlappe aus der letzen Begegnung der letzten Saison gegen den TSV wettzumachen und ein Feuerwerk zu veranstalten.

Die Senioren B Mannschaft hat ihre Ziele etwas niedriger gesteckt im ersten Jahr. In der 2ten Bundesliga Süd wird primär der Klassenerhalt angestrebt, natürlich ist ein Sieg auch hier das Ziel. Dies gestaltet sich allerdings gegen ein gut aufgestelltes Team, das schon Jahre in der 2ten Liga besteht, als Aufsteiger mit einer jungen Mannschaft eher schwierig, aber nicht unlösbar.

Alles in allem sind alle Spieler heiß aufs erste Spiel und wollen es richtig krachen lassen.

Natürlich geht das am besten mit den Klubfans, die hoffentlich alle zahlreich im Lionspark vertreten sein werden, um unsere Mannschaften an diesem Rugbysonntag richtig zu unterstützen

Alexander Wiedemann

Montag, 21.7.08

Die letzte Woche in Durban begann für uns wie die vorherige Woche aufgehört hatte – mit dem Kontaktspiel. Heute wurde in einer Kombinationsübung unter der Leitung von Balie

Swart noch einmal alles kompakt zusammengefasst, was wir letzten Freitag gelernt hatten: eine einfache 2 gegen 1 Situation, den Hit&Spin, Target Shooting und zum Abschluss noch der Snake. Am Anfang klappte die Übung nur durchwachsen, bei allen schien noch das lange Wochenende in den Köpfen zu sein. Doch dies sollte nicht mehr lange andauern. Mit einer kurzen Standpauke von Balie wurden auch die letzten wieder zurück in die Realität des Trainingsplatzes geholt und von nun an lief alles wie gewünscht. In einem abschließenden Wettbewerb, in dem jede Nation einen Durchlauf durch die verschiedenen Kontaktsituationen zeigen musste, standen am Ende wir Deutsche und die Japaner im Finale. Nachdem auch das Stechen keinen Sieger hervorbrachte, regelten wir die Sache wie richtige Männer: im Schnick-Schnack-Schnuck behielten dann letztendlich wir die Oberhand und gewannen den äußerst spaßigen Wettbewerb unter dem Jubel unserer britischen Freunde!

Der Rest des Tages verlief ansonsten wie immer. Die Life Skill Session beinhaltete die Professionalisierung des Rugbys und die darauf folgende Krafteinheit (Beine) sowie das Sprinttraining ließen uns das erholsame Wochenende bereits wieder komplett vergessen.

Dienstag, 22.7.08

An diesem Tag stand für mich, wie sich später herausstellen sollte, das letzte Training auf dem Programm– die nächsten Tage schleppte ich mich mit einer fiebrigen Virusinfektion, die die Runde machte, über den Trainingsplatz und mir blieb leider nichts Anderes übrig als meinen Kameraden beim Training zuzuschauen.

Das Hauptaugenmerk der heutigen Trainingseinheit lag für die Stürmer auf der Bildung eines sauberen Paketes, vor allem in Hinsicht auf den neuen Regeln. Auch hier mussten wir wieder feststelle, dass die Art ein Paket zu bilden in Südafrika nichts mit der Variante in Deutschland zu tun hat. Einen eindrucksvollen Beweis der Effizienz dieser Technik lieferte am Wochenende das Spiel der Sharks gegen die Lions, in dem ein ums andere Mal so ein Paket mit deutlichem Raumgewinn abgeschlossen wurde. Die Gedrängehalbs und Verbinder sowie andere 3/4ler befassten sich in der Zwischenzeit mit Swys mit taktischem Kickspiel, dass hauptsächlich die Box-Kicks betraf. Am Nachmittag ging es dann nicht wie üblich zur Life Skill Session, sondern wir machten einen Ausflug in das Sharks Board Durbans. Das Sharks Board ist eine Art Haiforschungsinstitut. Sie sind unter anderem verantwortlich für die Wartung des Hainetzes, dass an allen Stränden Durbans vor der Küste aufgespannt wurde, um Haiattacken an den Stränden zu vermeiden. Dieses Hainetz wurde vor knapp 60 Jahren installiert, nachdem an einem Tag 13 tödliche Haiattacken in Durban registriert worden sind. Seit der Installation des Netzes gab es keine einzige tödliche Haiattacke mehr. Im Sharks Board schauten wir uns zunächst einen 30minütigen Film über eben jenes Hainetz und die verschiedenen Haiarten an, danach schauten wir uns eine Haiseziershow an, in der vor unseren Augen ein Hai in seine Einzelteile zerlegt wurde – ein bestialischer Gestank bei 25 Grad aber dennoch sehr interessant! Das eigentliche Highlight war aber der Moderator dieser Show. Ein möchtegern Komiker indischen Ursprungs vor dem Herrn – selten hab ich so schlechte Witze gehört, aber den kleinen Kindern schien es zu gefallen!

Abends führte uns dann der Weg ein letztes mal ins Einkaufszentrum, wo wir noch einmal die Gelegenheit nutzten um Mitbringsel für unsere Familien oder auch einfach nur Rugbysachen für uns zu kaufen – man wurde hier wirklich erschlagen von dem Angebot und man wusste gar nicht, was man noch alles kaufen sollte! Das Gepäcklimit auf dem Rückflug bereitete uns schon seit Tagen Kopfzerbrechen!

Mittwoch, 23.7.08

Heute stand das letzte richtige Training auf dem Programm. Der Schwerpunkt lag heute auf dem Thema „Decision Making“, was laut unserer Trainer der wohl schwierigste Teil im gesamten Rugbyspiel ist. Um das Treffen der Entscheidungen herauszufordern brachten die Trainer uns in Situationen, in der man unter starkem Druck innerhalb kürzester Zeit Entscheidungen treffen muss. Gruppen von je 6 Spielern mussten durch 6 Verteidigungsreihen a 2 Verteidigern durchbrechen und um das ganze noch zu erschweren war der Abstand zwischen den Verteidigungsreihen nur ca. 5 Meter. Am Anfang ging einiges schief doch mit der Zeit wurde allen klar worauf die Trainer hinauswollten und hier schloss sich dann der Kreis der 6 Prinzipien, die wir am ersten Trainingstag vorgepredigt bekamen: die Unterstützung aus der Tiefe und der Zug nach vorne sind unabdingbar um einen Angriff unter starkem Druck erfolgreich abzuschließen. Nach dieser kurzen aber effektiven Trainingseinheit ging es dann wieder weiter wie immer: Essen (was uns so langsam zum Hals raus hing), Life Skill Session mit dem Thema „Verantwortung des Spielers“. Diese Life Skill Session war ein Rundumschlag und zeigte uns, was ein Spieler alles tun kann, um seine optimale Leistung abzurufen. Die Formel, die die Leistungsfähigkeit eines Rugbyspielers bestimmt, ist zunächst ganz einfach: Train Hard + Recover Well = Best Performance

Doch um diese Formel herum gibt es so viele Einflussfaktoren und Dinge die man beachten muss, um eine optimale Regeneration zu haben:

1. Das Training oder das Spiel endet nicht mit dem Verlassen des Feldes, sondern endet mit dem zu Bett gehen und der sorgfältigen Betrachtung aller Schritte, die man bis zum Schlafen gehen unternommen hat.

2. Das Prinzip der Erholung ist ein wesentlicher Bestandteil einer optimalen Leistung. Passive Erholung wie Schlafen, Lesen oder Meditation sind ebenso wichtig wie die aktive Erholung wie z.B. Dehnen, Massagen oder einem leichten Auslaufen. Ganz besonders wichtig ist der Schlaf. Vor dem Schlafen gehen sollte man unbedingt TV schauen vermeiden sondern lieber Lesen. Falls man nicht in den ersten 30 Minuten einschlafen kann, sollte man aufstehn und noch einmal ein wenig relaxen – egal zu welcher Uhrzeit, auch wenn man mitten in der Nacht aufwacht. Die ausreichende Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr tut ihr übriges dazu.

2. Dehnen

Es gibt zwei verschiedene Arten von Dehnen: eine mit und eine ohne Bewegung. Für die Regeneration sind vor allem die statischen Dehnübungen von großer Bedeutung, die nach jedem Training in einer warmen Umgebung durchgeführt werden sollen (können auch unter der Duschen fortgeführt werden).

3. Wassertherapien

Die effektivsten und am Häufigsten genutzten Regenerationsmaßnahmen sind die sog. Wassertherapien wie z.B. Sauna, Schwimmen, Bäder oder Wechselduschen. Sie beschleunigen die Blutzirkulation und beschleunigen den Abbau von Milchsäure, der sich im Körper während eines Trainings angesammelt hat. Für direkt nach dem Rugbytraining eignen sich vor allem Wechselduschen; dabei soll man erst 30 Sekunden heiß, dann 30 Sekunden kalt duschen und dies 3 Mal wiederholen.

Bei jeder Art von Wassertherapien ist es jedoch wichtig vor, während und nach der Maßnahme ausreichend zu trinken!

4. Selbstmassage

Während intensiven Sessions, vor allem im Krafttraining, sind kurze Selbstmassagen (Oberschenkel o. Ä.) , wenn kein professioneller Physiotherapeut verfügbar ist von großem Vorteil. Sie entspannen die Muskeln und erhöhen die Leistungsfähigkeit während dem Training! Auch abends am Ende eines Trainingstages sollten Selbstmassagen durchgeführt werden.

5.Dehydrierung und Wasserausgleich

Es ist sehr wichtig, den Wasserverlust während eines Trainings auszugleichen. Wenn man nicht ausreichend trinkt kann das kommende Training bereits negativ beeinflusst werden und die Regeneration verlängert sich. Die beste Art dies zu verhindern ist das Wiegen vor und nach dem Training. Der Gewichtsverlust muss dann wieder durch 1l Flüssigkeit/kg Verlust ausgeglichen werden. Kohlenhydratreiche Drinks sowie Proteinshakes beschleunigen die Regeneration zusätzlich – diese müssen aber innerhalb der ersten 30 Minuten nach dem Training eingenommen werden.

6. Mentale Stärke und Psychologie

Alle Sportler können von einfachen Übungen profitieren, die helfen Emotionen und Gemütszustände besser zu kontrollieren. Meditation, Atemtechniken, Musik, Massagen und viele andere Entspannungsübungen helfen hierbei. Der Hauptverursacher von Stress für einen Rugbyspieler ist nämlich gar nicht der Sport selbst, sondern das Umfeld wie Studium, Prüfungen, Beziehungen, Familie oder Reisen. Manchmal kann auch bereits ein einfacher Videoabend, Lesen oder der Besuch eines Kinos dem Gemütszustand zuträglich sein – ein oft unterschätzter Bestandteil der Leistungsfähigkeit eines Sportlers!

Zum Abschluss dieses interessanten Vortrages von Roelof bekamen wir noch eine Check-Liste mit allen wichtigen Dingen, die nach dem Training zu beachten sind. So messen die Profis morgens nach dem Aufwachen sofort ihren Puls und tragen diesen in eine Skala zusammen mit ihrem gefühlsmäßigen Zustand und dem Essen + Training des Vortages ein. So lässt sich erkennen, woran eventuelle Leistungsschwankungen liegen könnten und u. A. werden so auch Krankheiten frühzeitig erkannt – denn wenn ein Fremdkörper im Körper ist kämpft er dagegen an => der Puls steigt und Krankheiten können bereits frühzeitig eingedämmt werden.

Bakterienherd Nr.1 ist übrigens die gemeinsame Nutzung von Trinkflaschen – deswegen hat jeder Spieler seine eigene Trinkflasche!

Danach fand wie üblich noch eine Krafteinheit (Oberkörper) und eine Sprinteinheit statt. Anschließend schauten wir uns noch ein Testspiel der U20 Sharks Academy gegen die beste Rugbyschule Englands, mit einigen U18 Nationalspielern gespickt, dem U18 Team von der Wellington School an, die gerade durch Südafrika tourten! Die Sharks Academy gewann das Testspiel deutlich.

Donnerstag, 24.7.08

Heute stand der endgültig letzte Trainingstag auf dem Programm – so langsam gingen bei uns schon einige auf dem Zahnfleisch und sehnten sich den Rückflug herbei. Morgens sollte eigentlich noch einmal ein Kicktraining stattfinden, jedoch fiel das leider aus. Danach wurde noch eine Stunde Touch Rugby gespielt, dabei sollten vor allem die neu erlernten Sachen umgesetzt werden. Das Training wurde für uns jedoch schnell zur Nebensache, denn heute wollten wir unbedingt die letzte Gelegenheit nutzen ein Foto mit Frederic Michalak zumachen, der immer als letzter auf den Trainingsplatz kam und als erster wieder ging – Franzose halt. So ließen sich Markus Bender und Benni Polheim taktisch klug gegen Ende des Trainings mit „Verletzungen“ auswechseln und kurz darauf kam Michalak auch schon.

Ich hätte nie gedacht, dass ein Star wie er so freundlich und auf dem Boden geblieben ist – so was kennt man von unseren Fußballern kaum und es bestätigte sich unser Eindruck, dass alle Rugbyspieler doch im Endeffekt eine große Familie sind. Nach einigen Fotos und einem kurzen Gespräch verabschiedete sich Michalak und wünschte uns noch viel Spaß für die restlichen Tage in Südafrika!

Wer jetzt jedoch dachte, das wäre nicht zu toppen, der wurde spätestens bei den Life Skill Sessions am Nachmittag und am darauf folgenden Tag eines besseren belehrt. Am Nachmittag hatten wir die Möglichkeit, ein Interview mit dem Sharks Flanker Keagan Daniel zu führen – ein sympathischer Kerl, der uns auch gleich seine Abneigung gegenüber dem Bankdrücken zeigte „I press 110kg, but have you ever seen somebody doing bench press at the pitch?“ Das lockere Gespräch mit ihm, geführt von unserm Trainer Roelof Kotze, war ein weiteres Highlight unseres Aufenthaltes in Durban – es sollte am Folgenden Tag jedoch noch bei weitem übertroffen werden…

Die Nachmittagseinheiten waren wie schon gewohnt eine Krafteinheit für den gesamten Körper und danach ein Agility Parcours.

Freitag, 25.7.08

Heute war unser endgültig letzter Tag in der Sharks Academy gekommen. Am Morgen standen für die gesunden Spieler (Max hatte auch die letzte Woche mit Leisteproblemen frühzeitig beenden müssen) noch einmal Leistungstests an, um zu sehen inwiefern man sich im Vergleich zu Beginn des Camps verbessert hat. Nach diesen Tests war dann ein weiteres Gespräch mit 2 aktuellen Sharks Spielern geplant – was dann aber auf uns wartete übertraf unserer Erwartungen. Es waren niemand geringeres als „The Beast“ Mtawarira und Ryan Kankowski – 2 aktuelle Springboks, die wir am Wochenende noch im Fernsehen bestaunen konnten als sie gegen Australien bei den Tri Nations spielten.

Beide waren, wie alle anderen Profis die wir bis jetzt kennen lernen durften, sehr sympathisch. Überraschend war, dass Beast ein unglaublich schüchterner Junger Mann ist – bei seiner Körperstatur war das nicht unbedingt zu erwarten. Beide opferten ein Teil ihrer Freizeit, um uns Rede und Antwort zu stehen – denn sie sind selbst aus der Sharks Academy hervorgegangen (genauso wie Keagan Daniel) und waren selbst einmal in unserer Situation.

Danach ging es dann für alle Teilnehmer des Sharks Camps zu einem Abschiedessen mit allen Trainern und Betreuern in einem der exklusivsten Restaurants der Stadt – keine 2 Meter neben unserem Tisch schwammen riesige Haie in einem Aquarium!!! Es hieß also nun Abschied nehmen von allen Trainer, die uns in den letzten 3 Wochen durch ihre herzliche Art doch ans Herz gewachsen sind – zumindest Swys und Roelof werden wir hoffentlich bereits im November wieder sehen, wenn sie nach Deutschland kommen um ein Wochenende der WRA zu leiten.

Samstag, 26.7.08

Unser letzter Tag in Durban begann noch einmal mit einer schönen Beach Session am Strand von Durban. Es wurde ein wenig Touch Rugby gespielt und danach ging es noch ein letztes Mal ab in den warmen Indischen Ozean, bevor wir an einer Strandbar zusammen mit unserem Fitness Trainer André und unseren Fahrern frühstückten. Danach begannen wir unsere Taschen fertig zu packen, denn am frühen Abend durften wir noch einmal ein Currie Cup Spiel der Sharks anschauen. Es war ein wirklich bis zur letzten Minute packendes Spiel mit dem besseren Ende für die Sharks. Die lauten „Beaaaaaaaaaaaaast“ Rufe (wenn Beast den Ball bekam) waren für uns mit Sicherheit die Höhepunkte des Spiels! Nach dem Spiel grillten wir noch zusammen mit unserer Gastfamilie – die uns in den letzten 3 Wochen wirklich jeden Wunsch erfüllten – auf dem Sharks Trainingsplatz, auf dem wir die letzten 3 Wochen so viel schöne aber auch anstrengende Dinge erlebten durften! Am Abend gingen dann noch alle Spieler gemeinsam in einen Club am Stadion bevor es dann am nächsten Tag hieß: Goodbye South Africa!

Als Fazit muss ich sagen, dass der Aufenthalt an der Sharks Academy mit Sicherheit eines der schönsten und lehrreichsten Erlebnisse in meinem Leben war. Natürlich waren wir hauptsächlich dort um vieles über Rugby zu lernen, was uns sicherlich auch gelungen ist, aber vor allem die Menschlichkeit der Trainer und aller Betreuer, Manager, Sekretärinnen, Physiotherapeuten sowie allen Spielern, die wir während unseres Aufenthaltes kennen gelernt haben, machten unseren Aufenthalt in Durban zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Wir waren während unserer 3 Wochen perfekt versorgt – sei es in unserer Gastfamilie oder sei es die medizinische Versorgung bei Verletzungen im Medical Center – und auch unsere anfänglichen Sicherheitsbedenken wurden sofort widerlegt.

Auch die große Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen in Südafrika, die wir außerhalb des Rugbyplatzes kennen lernten, wird mir in guter Erinnerung bleiben und ich spiele sogar mit dem Gedanken, im nächsten Jahr für eine Saison auf der Sharks Academy zu spielen; die Kontakte sind ja jetzt geknüpft.

In unseren 3 Wochen hier in Durban mussten wir jedoch auch feststellen, was der große Unterschied ist zwischen dem deutschen Rugby und dem professionellen Rugby – die Geschwindigkeit. Technisch sind wir gar nicht so weit weg aber die Geschwindigkeit mit der hier die Angriffe ablaufen machen dann den Unterschied aus! Das zeigt uns, dass in Deutschland kein Weg an der Professionalisierung des Rugbyports vorbeiführt, ansonsten ist der Anschluss an die Weltspitze nicht zu schaffen. Ein großer Schritt hin zum professionellen Rugby ist mit der Gründung der WILD Rugby Academy bereits getan. Dieser Weg muss nun konsequent weitergegangen werden und dann bin ich mir sicher werden wir auch in Deutschland bald die ersten Erfolge sehen und international konkurrenzfähiger werden.

Ich hoffe, dass in Zukunft noch viele Spieler in den Genuss dieses Sharks Camps kommen können und dass ich meine gewonnenen Kenntnisse hier in Deutschland weitergeben und weiterentwickeln kann. Ansonsten bleibt mir nur noch einiges zu sagen:

The place to be is the Sharks Academy!!!!

Steffen Liebig

Montag, 14.7.08Die zweite Woche bei den Sharks ging für uns so weiter wie sie aufgehört hatte – es stand wieder einmal „Catching and Passing“ mit Roelof und Chester auf dem Plan. Im Vordergrund stand diesmal die Weiterentwicklung der neu gelernten Passtechnik, was mit zunehmender Dauer auch immer besser klappte. Die Pässe wurden trotz steigender Intensität präziser und auch größere Distanzen wurden nun mit besseren Pässen zurückgelegt. Dennoch war es immer noch ungewohnt für uns und man fiel vor allem bei größeren Distanzen leicht in sein altes Passmuster zurück. Als nächstes stand eine weitere Life Skill Session auf dem Programm mit dem Thema „Ernährung“. Ein wichtiger Aspekt dieser Sitzung war für uns vor allem die richtige Ernährung nach dem Krafttraining. Direkt nach dem Krafttraining sollte man vor allem ein Auge auf eine ausreichende, kontinuierliche Flüssigkeitszufuhr haben. Außerdem sollte innerhalb der ersten Stunde nach dem Training – am Besten direkt nach dem Krafttraining – ein Proteinshake getrunken werden, um den Muskelaufbau bestmöglich zu unterstützen. Am Ende des Tages standen dann noch eine Krafteinheit (Beine) und ein 20minütiges, intensive Sprinttraining auf dem Programm.

Dienstag, 15.7.08

Der Dienstag begann für uns zunächst einmal mit „ausschlafen“ – das erste Training begann erst um 10uhr, d.h. wir konnten mal bis halb 9 schlafen, was auch dringend nötig war. Das Thema der heutigen Rugby Trainingseinheit war „Beating the man“. Deon Kayser war es diesmal, der uns in das 1 mal 1 des Angriffs in Überzahl einführte. Hierbei kamen wieder Teile der 6 „Principles of Play“ zum Vorschein, die wir bereits in der allerersten theoretischen Trainingseinheit von Swys eingetrichtert bekommen haben. Prinzip Nr.1 ist das Vorwärtsgehen und das Atackieren des Gegners, gefolgt von Prinzip Nr.2, was für die kommende Trainingseinheit von großer Bedeutung sein würde – Unterstützung aus der TIEFE! Das sind alles Dinge, die wir in Deutschland auch Jahrelang trainiert und verinnerlicht haben. Dennoch schienen mir hier die Methoden, vor allem die Art und Weise wie ein einfacher Angriff in auch nur die kleinsten erdenklichen Einzelteile zerlegt wird, wesentlich effektiver zu sein als in Deutschland. Details wie den Ball in 2 Hände nehmen, um sich alle Möglichkeiten für einen Angriff offen zu halten (sei es Kicken, Passen oder Kontakt) oder kleine Schritte kurz vor dem Gegner, um diesen zu Verunsichern haben sich bei mir unter diesen Trainer fiel tiefer in den Kopf eingeprägt als jemals zuvor – in Deutschland waren diese einfachen Sachen schon zu gängig gewesen, dass ich mir über die große Bedeutung der einfachen Bewegungsabläufe gar nicht mehr bewusst war. Es erscheint einem auf einmal alles viel plausibler und vor allem merkt man, wie wichtig die Basics im Rugbyspiel sind. Nach diesem ersten Trainingsteil richteten wir unseren Fokus auf den Side Step. Hierbei stand uns unser Trainer Deon Kayser, der selbst früher mit seinen Steps seine Gegenspieler zur Verzweiflung trieb, mit vielen hilfreichen Tipps zur Seite. Auch bei einem einfachen Side Step sind es wieder einmal die Details die den Ausschlag geben, ob man den Gegner überwinden kann oder nicht; diese Bewegungsabläufe müssen Automatismen werden, die man in jeder Situation abrufen können muss.

Nach dieser lehrreichen Einheit stand nun für uns das vorläufige Highlight unserer Südafrika Reise auf dem Programm: eine Life Skill Session mit dem Thema „Kapitänsamt“ mit einem der großen Stars der Natal Sharks. Gastssprecher war an diesem Tag niemand geringeres als Johann Muller. Johann Muller unter Anderem 22facher südafrikanischer Nationalspieler, Weltmeister 2007, 2maliger Kapitän der Springboks und aktueller Kapitän der Sharks. Johann vermittelte uns die aus seiner Sicht wichtigen Merkmale eines Kapitäns – vor allem im Hinblick auf das immer größer werdende Medieninteresses. Ein guter Kapitän, so Johann, sei immer der erste auf dem Trainingsplatz und der letzte, der den Trainingsplatz verlässt. Er muss vorausgehen und der Mannschaft ein Vorbild sein, denn wie kann man von seiner Mannschaft etwas erwarten, was man selbst nicht bereit ist zu leisten? Zudem kommt dem „modernen“ Kapitän eine weitere wichtige Rolle nach Spielen zu. Der Kapitän muss als verlängerter Arm des Trainers sein Team in der Öffentlichkeit repräsentativ vertreten. Während ein Tag nach dem Spiel alle Spieler mit Regeneration beschäftigt sind, besteht für einen Kapitän aus nahezu nichts anderem als Interviews, Interviews und noch einmal Interviews. Darunter kann dann auch schon mal die so dringend benötigte Regeneration leiden.

Viel wichtiger als der Gesprächsstoff war für mich jedoch die Erkenntnis, dass selbst ein 2facher Kapitän der Springboks immer noch ein offenes Ohr für junge Rugbyspieler hat und für sie einen Teil seiner Freizeit opfert, um ihnen aus dem Leben eines Spielers zu berichten, der bereits das höchste im Leben eines Rugbyspieler geschafft hat – den Gewinn des World Cups. Vor allem hat mir immer seine offene und herzliche Art imponiert, mit der er uns behandelt hat – ein sehr bodenständiger Mann, der kein Vergleich zu den arroganten und verwöhnten Fußballprofis in unserem Land ist.


Mein alter südafrikanischer Kumpel Johann Muller und ich

Unterstreichen tut das folgende Geschichte:

Einen Tag später trafen wir Johann wieder auf dem Rugbyplatz und Markus Bender schenkte ihm ein Trikot von der deutschen Nationalmannschaft. Johann Muller versprach daraufhin, dass er Markus ein Original Trikot von ihm organisieren werde. Die nächsten Tage geschah nichts und wir dachten schon er hätte es vergessen, auch als wir ihn in einem ganz einfachen Supermarkt beim Einkaufen mit seiner Frau trafen (er begrüßte Markus sogar mit Namen) schien er sich nicht mehr daran zu erinnern. Am Tag bevor wir abreisten bekam Markus dann doch zu unsrer Überraschung ein bereits getragenes Original Super 14 Trikot von Johann Müller und einen Ball mit allen Unterschriften des aktuellen Currie Cup Kaders. Das nenn ich mal eine gute Fanbetreuung!

Zurück im Academy Alltag mussten wir trotz dieses unvergesslichen Erlebnisses weitertrainieren – eine Krafteinheit (Oberkörper) und eine 20minütige, intensive Konditionseinheit, die uns bis an die Grenze des Belastbaren trieb, würden noch auf uns warten…

Mittwoch, 16.7.08

Am heutigen Tag stand ausnahmsweise mal eine kürzere Trainingseinheit auf dem Programm. Von 9Uhr-10.30Uhr beschäftigten wir uns mit der Organisation der Verteidigung. Mit Tackle Bags wurden offene Gedränge simuliert, um die wir nun ein perfektes Verteidigungssystem versuchten aufzustellen. Die ersten beiden Verteidiger rechts und links vom offenen heißen Pillar und Post. Der erste Spieler, der ganz eng am Offenen steht, heißt Pillar. Der zweite Spieler neben dem Pillar heißt Post. Der Pillar bleibt in seinem Kanal und bewegt sich nur nach vorne. Er ist verantwortlich für diesen Raum – falls z.B. der Gedrängehalb seitlich aufbricht folgt der Pillar dem Gedrängehalb nicht, sondern läuft in seinem Kanal geradeaus weiter, um einen Innenpass auf einen Spieler aus der Tiefe zu verhindern. Ein Verteidiungsfehler des Pillars führte übrigens im Tri Nations Spiel Neuseeland-Südafrika vor einer Woche zum entscheidenden Versuch, als der Halb der Boks eine Lücke ausnutzte, die der Pillar der All Blacks durch Verlassen seines Kanals geöffnet hatte! Der Post, die Nummer 2 am Offenen also, ist verantwortlich für den seitlich aufbrechenden Gedrängehalb oder für einen Innenpass des Verbinders. Erst der dritte Verteidiger am Offenen ist also verantwortlich für den gegnerischen Verbinder, der vierte für den 1.Innen usw.!

Nach dieser sehr lehrreichen Trainingseinheit, ging es dann weiter zur Life Skills Session, die am heutigen Tag bereits um 10.30 stattfand. Der Physiotherapeut der Sharks, Bob Russell, führte uns in die Welt der praktischen Sportmassage ein und demonstrierte verschiedene Massagetechniken an uns während er über die Eigenarten der Stars wie Michalak oder Ruan Pienaar! Für die Leute, die massiert wurden, eine sicherlich erholsame Life Skill Session! Nach der Life Skill Session hatten wir dann knapp 2h Freizeit, die wir mit einem kleinen Mittagsschlaf und einem Einkaufsbummel im Sharks Shop (befindet sich im ABSA Stadium) schneller rumbrachten als uns lieb war. Denn danach hieß es wieder ab in den Kraftraum für eine Stunde Ganzkörpertraining und danach zu einer kurzen Trainingseinheit auf dem Platz, genannt Plyometrics! Laut unserem Sprinttrainer Collin sind diese Übungen extrem wichtig, um eine gut ausgeprägte Schnellkraft zu entwickeln! Als wir uns dann an die Übungen machten konnten wir jedoch keinen großen Unterschied zum normalen Sprinttraining feststellen; das Training war sehr ähnlich aufgebaut und nach knapp 20 Minuten die rasend schnell vorbeigingen hießt es endlich: nur noch ein Trainingstag bis zum verlängerten Wochenende, dass mit einer Safari und dem Besuch eines Ureinwohner Dorfes spannend zu werden schien!

Donnerstag, 17.7.08

Der letzte Trainingstag in unserer zweiten Woche bei den Sharks begann zunächst mit dem allwöchentlichen Kicktraining (die Stürmer durften wieder mit Balie Swart vorlieb nehmen) – diesmal mit dem Schwerpunkt auf den Torpedo- und Setzkicks. Trainer war der Verbinder der U21 Sharks, jedoch konnte er uns Spielern von der WRA nichts großartig neues vermitteln – alles was er uns beibrachte war exakt dasselbe, das uns bereits Naas Botha bei den WRA-Lehrgängen beigebracht hatte: Ball in 45 Grad Neigung halten, Schulter in Kickrichtung und dann weg mit dem Ei! Mit den Setzkicks verhielt es sich ähnlich – Ball leicht nach vorne geneigt aufs Hütchen setzen, in einem 45 Grad Winkel anlaufen und schon fliegt der Ball wie an der Schnur gezogen über die Stangen!

Das letzte Rugbytraining der Woche war dann zum ersten Mal vom Kontakt geprägt – Swys machte uns mit dem für uns völlig neuem „Hit & Spin“ bekannt. Ziel des Hit&Spins ist, den Ball hinter den Verteidiger zu bringen, wenn einem Kontakt nicht mehr auszuweichen ist. Wenn man in den Kontakt geht, greift man mit ausgestrecktem Arm in einer extrem tiefen Körperhaltung nach seinem Gegner, stößt sich von diesem wieder ab und präsentiert seinem aus der Tiefe kommenden Mitspieler den Ball. Eine weitere Variante des Hit&Spin ist das sog. „Target“. Der Ablauf ist derselbe wie bei einem normalen Hit&Spin, nur diesmal präsentiert der Spieler der im Kontakt ist nicht den Ball, sondern den Gegner als Ziel. Der aus der Tiefe kommende Mitspieler räumt den gegnerischen Spieler aus dem Weg, solang er noch mit dem Ballträger verbunden ist und der Ballträger kann, wenn alles klappt, ungestört weiterlaufen. Diese Technik führte zu unserem Erstaunen, denn wir dachten, dass diese Art von sauber machen nicht erlaubt ist. In einem Gespräch mit einem Super 14 Schiedsrichter wurden diese Bedenken jedoch ausgeräumt – es ist erlaubt, doch in Deutschland bin ich mir sicher wird das alles abgepfiffen!

Die letzte Variante war die sog. „Snake“. Bei der Snake geht der getackelte Spieler auf den Boden und 3 Unterstützer gehen drüber, jedoch in EINER Linie hintereinander – aus einem ganz einfachen Grund: Wenn der getackelte Spieler sind quer hinlegt, ist der Kanal, aus dem gegnerische Spieler drübergehen können, viel größer – nämlich von Kopf bis Fuß des auf dem Boden liegenden Spielers. Wenn sich jedoch der getackelte Spieler nun längs hinlegt ist der Kanal, aus dem Spieler drüber gehen können, gerade einmal die Schulterbreite des Spielers – alle anderen Spieler sind Abseits. Dies macht man sich bei der Snake zunutze und man benötigt somit nur 3 Spieler, um das Offene sicher zu gewinnen und stabil zu halten!

Der Rest des Tages lief dann genauso ab wie letzten Freitag – erst eine Life Skill Session über Sportverletzungen, danach eine Power Session im Gym und abschließend die 20minütige Pilates Quälerei! Das Wochenende konnte nun endlich beginnen und wurde auch standesgemäß mit einem Treffen nahezu aller Camp-Spieler und auch einiger Trainer in einem stadtbekannten Pub eingeläutet.

Freitag, 18.7.08

Der heutige Tag sollte der vielleicht beste Tag während unseres Aufenthaltes in Südafrika werden – es stand ein Ausflug zum von Durban 80km entfernten Tala Game Reserve an, einer Art Nationalpark, den wir mit einer kleinen Safari erkunden sollten!

In den typischen Jeeps die man aus dem Fernsehen kennt, fuhren wir knappe 3 Stunden auf dem riesigen Gelände des Reservates herum! Kaum zu glauben, dass dieses Gebiet, dass so groß ist wie das komplette Stadtgebiet Durbans, zu klein für die Haltung für Löwen ist! Nichtsdestotrotz sahen wir Tiere in freier Wildbahn, die wir bis dato nur aus dem Fernsehen oder aus dem Zoo kannten – darunter waren Nilpferde, Giraffen, Nashörner, Zebras, Wasserbüffel, Strauße und natürlich das südafrikanischste Tier von allen: Springboks!

Den Ausflug mit der ganzen Sharks Familie, u.A. begleitete uns Balie Swart mit seiner Familie, wurde mit einem Braai (einer Art Barbecue) abgerundet. Bevor wir gingen sollte ich dann noch ein Interview fürs Fernsehen geben und meine Eindrücke von Durban aus der Sicht eines Deutschen schildern.

Den Rest des Tages ließen wir dann wieder einmal im riesigen Einkaufszentrum – dort waren wir fast öfters als zu Hause- mit einem Kinobesuch und anschließendem Bowlen ausklingen.

Samstag, 19.7.08

An unserem Wochenende wurden wir dann doch noch einmal vom Rugby eingeholt – morgens um 9 stand nämlich ein Beach Rugby Turnier auf dem Plan und zur Überraschung aller gewann am Ende ein Team mit 3 deutschen Spielern (die Teams bestanden aus 5 Spielern) das Turnier! Abschließend durften wir dann endlich ins Meer schwimmen gehen, was bei den bis zu 4m hohen Wellen richtig Spaß gemacht hat!

Am Strand traf ich dann auch meinen südafrikanischen Freund Jaco Erasmus, ein Spieler der WRA und des HRK, der extra aus dem 600km entfernten Pretoria kam, um mich am Wochenende zu besuchen. Nach dem Training gingen wir dann in ein Pub, um uns das Tri Nations Spiel zwischen Australien und Südafrika anzuschauen – ein schlechtes, von vielen Kicks geprägtes Spiel, das Australien zu recht relativ deutlich gewann! Den Rest des Tages konnte dann jeder für sich verbringen wir er wollte; wir entschieden uns für etwas, auf das wir uns schon lange sehr gefreut hatten – wir spielten mit 2 unserer Mitbewohnern eine Runde Paintball. Es war ein Heidenspaß, der jedoch auch sehr schmerzhaft war – die Wunden von den Geschossen verfolgten uns bis ans Ende unserer Zeit in Durban und sorgten bei den Trainer der Academy für schmunzeln: Zitat Swys: „Ah the Germans played Paintball, look at that wound hahaha!!!“

Sonntag, 20.7.08

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen unseres Ausfluges zu einem Ureinwohnerdorf außerhalb Durbans – der Zulu Village in den 1000 Hügeln.

In diesem Dorf fühlte man sich um 1000 Jahre zurückversetzt; die Menschen leben in einfachen, zeltartigen Häuschen, die nur von Stroh und Lehm bedeckt sind. In einer einstündigen Demonstration zeigten uns die Zulus eine für sie typische Zeremonie, die bei einer Heirat 3 Tage lang andauert – dabei muss der Bräutigam dem Schwiegervater 12 Kühe zahlen, um dessen Tochter heiraten zu dürfen; ich fühlte mich irgendwie ins Mittelalter zurückversetzt^^! Zu Mittag gab es übrigens Springbokfleisch – sehr delikat! Den Tag abrunden sollte dann der Besuch auf der anliegenden Krokodil- und Schlangenfarm – unglaublich wie groß diese Viehcher werden!

Am Abend gingen dann Markus Otterbein, Bender und ich noch mit unserer Gastfamilie in einen südafrikanischen Gottesdienst – der Gottesdienst ist kaum zu vergleichen mit dem öden altmodischen Gelaber in den deutschen Kirchen! Allein schon der Saal, ausgestattet mit 2000 Sitzplätzen und 3 riesigen Leinwänden, vermittelt eine ganz andere Atmosphäre; auch das fast nur junge Menschen in der Kirche waren, war für uns ungewohnt – genauso wie der Beginn des Gottesdienstes, der von einer Popband mit modernen christlichen Liedern eingeläutet wurde während der Text zum Mitsingen auf den 3 riesigen Leinwänden karaokelike abgespielt wurde – ich fühlte mich wie in einem Popkonzert! Wie der Beginn verlief auch der Rest des Gottesdienstes – alles war sehr auf aktuelle Themen ausgelegt und am Ende traf man sich dann in der Cafeteria und trank zusammen Tee und Kaffee – eine großartige Erfahrung für uns alle!

Somit ging auch die zweite Woche schneller rum als uns lieb war und es blieb uns nur noch eine Woche von unserer schönen Zeit in Durban übrig…

Steffen Liebig

 

 

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