November 2008


Am kommenden Samstag steigt in Frankfurt an der Feldgerichtstraße das mit großer Spannung erwartete Spitzenspiel der ersten Pokalrunde. Der Spitzenreiter der 1.Bundesliga, SC 1880 Frankfurt, trifft auf den momentanen Tabellenvierten aus der deutschen Rugbyhauptstadt, den Heidelberger Ruderklub. Für beide Mannschaften ist dieses Aufeinandertreffen eine wichtige Standortbestimmung für die verbleibenden Spiele in der Liga, die langsam aber sicher auf die Zielgerade des Rugbyjahres 2008 zusteuert. Der SC 1880 Frankfurt wird von dem Fachpublikum, vor allem nach ihrem nie gefährdeten Sieg über die RGH, nicht umsonst als Favorit für dieses Spiel gehandelt. Die Frankfurter, von der lokalen Presse auch als „Weltauswahl vom Main“ betitelt, machten zu Beginn der Saison einen doch ungewohnt wackligen Eindruck und verloren sogar am zweiten Spieltag gegen die Löwen aus Handschuhsheim. Diese Niederlage schien jedoch zu gleich auch ein Wendepunkt für die Frankfurter Saison darzustellen. Anstatt (wie zu Saisonbeginn) teilweise auf ihre Eigengewächse zu setzen, schlugen die Frankfurter kräftig auf dem Transfermarkt zu und konnten durch einige hochkarätige Neuzugänge aus dem Ausland das Ruder herumreißen und sich von Spiel zu Spiel steigern, was auch die junge Mannschaft des Heidelberger Ruderklub am eigenen Leib erfahren durfte. Noch allzu gut ist den Klublern die Niederlage gegen die Frankfurter um ihren bärenstarken Innen Marcus Seuseu in Erinnerung.

Mit dem Ziel eine erneute Niederlage zu vermeiden, arbeitete der Ruderklub um Kapitän Kobus Potgieter in den vergangenen beiden Wochen konzentriert an den Schwächen, die sich in den letzten Spielen eingeschlichen hab und man blickt nun mit großer Vorfreude auf die 1.Runde des DRV Pokals. Ein Spiel gegen die Frankfurter Asse ist für jeden Spieler immer wieder ein Highlight, doch plagen den HRK vor diesem wichtigen Spiel akute Verletzungssorgen. Zu den langzeitverletzten Sascha Fraser (Oberschenkel) und Christopher Liebig (Nasenbeinbruch) gesellte sich nach dem Spiel in Berlin auch noch Pieter Jordaan (Gehirnerschütterung) hinzu, die allesamt für das Pokalspiel am Samstag nicht zur Verfügung stehen werden. Zu allem Übel wird auch noch Steffen Liebig dem Klub fehlen. Der junge Innendreiviertel zog sich bei der Rugby Tour der Wild Rugby Academy in England vergangenens Wochenende einen Nasenbeinbruch zu und wird wohl den Rest des Jahres ausfallen.

Doch auch trotz dieser Ausfälle wird der Klub mit einer optimal eingestellten Truppe versuchen, den Frankfurtern auf heimischem Platze ein Bein zu stellen.

S.L.

 

Die Mädels vom Team „Capri Sonne“ standen am 08.11.2008 den Frauen aus Stuttgart auf dem Sportplatz „Hohe Eiche“ gegenüber. Der Klub musste insgesamt acht Spielerinnen ersetzen. Suse Wodarz, Nicole Sans, Anja Boyne, Laureen und Vanessa Ripperger, Denise Treiber, Tanja Bähr und Tilla Dier waren entweder beruflich verhindert, befinden sich derzeit in Urlaub oder sind erkrankt bzw. verletzt.  Dennoch reisten die Zebras mit 22 Frauen an und begannen das Spiel von Beginn an druckvoll. Die Kontaktsituationen wurden von jeder Spielerin angenommen und jeder Ball wurde hart umkämpft. Die Hintermannschaft war mit jedem Angriffsball gefährlich, wobei leider viele Chancen ungenutzt blieben, da der letzte Pass nicht ankam oder fallen gelassen wurde. Dennoch wurden insgesamt vier Versuche erzielt. In der 10. Minute konnte sich Steffi Horn in das Malfeld durchtanken. Jana Eisenbeiß lief  in der 13. und 28. Minute zweimal ein und erhöhte auf  0 : 15 Halbzeitstand. Die Stuttgarterinnen begannen nach dem Seitenwechsel beherzt und setzten die HRK-Mädels unter Druck. Folgerichtig konnten sie in der 50. Minute den Anschlussversuch erzielen. Corinna Völker sicherte in 65. Minute den Bonuspunkt. Die Erhöhung gelang durch Alysha Stone. Die Schwäbinnen gaben sich im gesamten Spiel nie auf und konnten so kurz vor dem Abpfiff den zweiten Versuch erzielen und markierten mit der gelungenen Erhöhung das Endergebnis mit 12:22.

 

Als Spielerin des Tages wurde Dana Nikolai gewählt.

 

So wurde gespielt:

1. Dana Nikolai, 2. Friederike Kempter, 3. Juliane Mittelstädt, 4. Nina Kropp (75. Julia Peters), 5. Steffi Horn (70. Olli Bähr), 6. Kathrin Jaegers (20. Seyma Ünlü), 7. Lisa Maral, 8. Svetlana Heß, 9. Sarah Treiber, 10. Andrea Beckenbach, 11. Karoline Villinger (72. Mona Bieringer), 12. Jana Eisenbeiß, 13. Corinna Völker, 14. Vera Biskupek, 15. Alysha Stone (65. Laryssa stone). Nicht zum Einsatz kamen Regina Schuster und Alexandra Stadler.

Am 08.11.2008 reist das Team „Capri Sonne“ nach Stuttgart. Um 16:00 Uhr wird dort das letzte Vorrundenspiel in der 1. Frauenrugbybundesliga angepfiffen. Die Stuttgarterinnen haben mit ihrem Sieg über die Germania gezeigt, dass sie nicht unterschätzt werden dürfen. Die HRK-Mädels hatten in der Vorrunde Höhen und Tiefen und haben sich für dieses Spiel viel vorgenommen.

 

„Trotz einiger Ausfälle aufgrund von Erkrankungen, Urlaub und beruflicher Verpflichtungen haben wir eine schlagkräftige Mannschaft, die am Samstag hoch motiviert auf ´s Spielfeld gehen will.“

 

Henry Burridge bestritt für den HRK sein vorläufig letztes Spiel

 

 

Die 1.Mannschaft des Heidelberger Ruderklub gab sich am Wochenende keine Blöße und siegte in einem hart umkämpften Spiel gegen die körperlich robusten Berliner mit 35:15 (Halbzeitstand 11:8)

Das Team „Capri Sonne“, das bereits in der Nacht von Freitag auf Samstag in ihrem Berliner Quartier eintraf, um sich am Samstag ohne großen Reisestress optimal vorbereiten zu können (Die Kosten für die Übernachtung wurden wohl gemerkt von jedem Spieler aus eigener Tasche bezahlt), war sich im Vorfeld der immensen Bedeutung dieses Spiels bewusst – bei einer Niederlage wären all die Erfolge der vergangenen Wochen mit einem Schlag zunichte gemacht worden und das wollte man unbedingt vermeiden. Dementsprechend konzentriert wurde am Samstagmorgen noch eine 30minütige Trainingseinheit absolviert. In einer kurzen Besprechung vor dem Spiel wurde ausdrücklich von Trainer Murray Archibald vor der zu erwartenden körperbetonten Spielweise der Berliner gewarnt, um mit der optimalen Einstellung ins Spiel zu gehen. Doch Theorie und Praxis sind zwei verschiedene Paar Stiefel und so war es der Berliner RC, der die Anfangsphase mit seiner physischen Spielweise dominierte und dem HRK deutlich zeigte, dass am heutigen Tage der Sieg nur mit einer konsequenten Verteidigung gelingen würde – aber eben jene bis dato gut funktionierende Verteidigung schien im Ruderklub gerade in den ersten Minuten bedenklich zu wackeln. Der HRK war nicht in der Lage den unbändigen Vorwärtsdrang der Berliner Mannen zu stoppen, zu häufig wurden Tackles verpasst und der BRC konnte mit seinem kompakten Sturm ein ums andere Mal große Raumgewinne erzielen. So war es nicht verwunderlich, dass der BRC mit einem Straftritt durch Igor Huerta in Führung gehen konnte. Dies war auch gleichzeitig der Weckruf für den HRK. Von nun an steigerte sich der Klub und übte mehr Druck auf die Berliner aus. Die daraus resultierenden Fehler der Berliner konnte der südafrikanische Schlussmann des HRK, Braam Pretorious, ausnutzen und den HRK mit einem Straftritt zum 3:3 zurück ins Spiel bringen. Mit zunehmenden Druck des „Klubs“ wurde die Gangart des Spiels noch eine Spur härter und die gefürchteten Berliner zeigten einmal mehr, warum sie wohl auch diese Saison in der imaginären Fair Play Wertung ganz unten rangieren werden. So war es der Flanker der Berliner, der einen am Boden liegenden Spieler des HRK mit Anlauf versuchte ins Gesicht zu treten – zum Glück wurde jedoch „nur“ die Schulter getroffen. Diese Aktion wurde vom aufmerksamen Linienrichter sofort angezeigt und der Übeltäter bekam vom solide agierenden Schiedsrichter Scharmann eine 10minütige Denkpause zum Abkühlen. Den fälligen Straftritt verwandelte Pretorious wiederum sicher zum 6:3.

Doch anstatt nun mit dem Rückenwind der Führung weiterhin auf die Berliner Druck auszuüben, waren es weiterhin die Mannen des BRC die das Spiel bestimmten und ein ums andere Mal große Raumgewinne erzielen konnten. Zur Verwunderung aller Zuschauer war es dann aber der HRK, der als erstes im Malfeld der Berliner eintauchen konnte. Nach einer Undiszipliniertheit des BRC nutze der quirlige Gedrängehalb des HRK, Sean Armstrong, eine kurze Unachtsamkeit der Berliner, die teilweise noch versuchten mit dem Schiedsrichter zu diskutieren, gnadenlos aus und legte nach einem schnell ausgeführten Strafkick den Ball zum 11:3 im Berliner Malfeld ab.

Nahezu im direkten Gegenzug konnten die Berliner jedoch durch den starken Gerrit van Look zum 11:8 Halbzeitstand verkürzen.

In der zweiten Halbzeit war der HRK nun nicht wieder zu erkennen – die Tackles saßen und die unsicher wirkenden Außen/Schlussspieler des BRC konnten ein ums andere Mal durch gute platzierte Kicks in arge Bedrängnis gebracht werden. In Folge dessen konnte Ewan McGregor nach schöner Vorarbeit von Armstrong und Kerber den Vorsprung des Klubs auf 16:8 ausbauen. Die fällige Erhöhung von ganz Außen durch Pretorious war wiederum kein Problem – 18:8.

Der Klub suchte nun die Entscheidung und unter wachsendem Druck schienen auch einige Berliner Spieler zum wiederholten Male die Nerven zu verlieren. Nach einem Faustschlag eines Berliner Hintermannschaftspielers ins Gesicht eines HRK Spielers zückte der Unparteiische Scharmann völlig zu Recht die Rote Karte. Nur kurze Zeit später schien ein Berliner Spieler seinem Bruder nachfolgen zu wollen und würgte in einem offenen Gedränge, vom Schiedsrichtergespann unbemerkt, den am Boden liegenden Schlussspieler des Klubs.

Von diesen Aktionen unbeeindruckt lieferte der HRK dann im weiteren Spielverlauf die passende Antwort auf dem Platz – so war es wiederum der stark aufspielende Pretorious, der nach einem Bilderbuchsolo durch die Halbe Berliner Mannschaft unter den Malstangen zum Versuch ablegen konnte. Die fällige Erhöhung zum 25:8 war kein Problem.
Die Berliner fanden jedoch rasch wieder zu ihrem Spiel zurück. Mit ihrem kompakten Sturmspiel kamen sie dem Malfeld der Heidelberger gefährlich nahe, doch die HRK Verteidigung stand und das gewisse Quentschen Glück war auch Seiten des HRK, als ein Versuch der Berliner zu Unrecht nicht gegeben wurde. Der BRC griff noch einige Minuten das Malfeld der Klubler an, doch gegen die nun sattelfest agierende Verteidigung war kein durchkommen. Der BRC selbst war es, der seinen Angriffsdrang durch eine weitere Undiszipliniertheit ins Stocken geraten lies – für einen Faustschlag sah die Berliner Nr.6 die gelbe Karte und konnte sich nun den Rest des Spiel von der Ersatzbank anschauen.

Das Team Capri Sonne wollte nun den so wichtigen Bonuspunkt für 4 gelegte Versuche, um den Anschluss an die Tabellenspitze herzustellen – Daniel Armitage erlöste den Klub von diesen Sorgen, nachdem er in seiner kraftvollen Art vom Gedränge aufbrach und ins Malfeld eintauchen konnte. Die Erhöhung war für Pretorious  wiederum kein Problem. Kurz vor Schluss war es dieser dann, der den Berlinern Fans, die ihn bei seinen Kicks auch durch Buhrufe nicht aus dem Tritt bringen konnten, dann noch eine Kostprobe seiner präzisen Kicks zeigte. Straftritt auf Höhe der eigenen 10 Meter Linie, ganz außen – gut und gerne 65m Entfernung –  kein Problem für Pretorious. 35:10

Die letzten Minuten bestimmten dann die Berliner, die ihren zahlreichen Angriffe mit einem Versuch durch Franck Moutsinga belohnen konnten. Endstand 35:15 für den HRK.

 

Summa summarum war es das erwartet harte Spiel für den Klub. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten bewahrte der Klub kühlen Kopf und konnte auch durch den frühen Ausfall ihres Top-Spielers Pieter Jordaan, der bereits nach 20 Minuten durch den gut spielenden Andreas Götz ersetzt wurde, nicht aus dem Tritt gebracht werden. Besonders positiv zu erwähnen ist, dass durch die zahlreichen Einwechslungen in der zweiten Halbzeit sogar eher noch ein Qualitätsschub erreicht wurde. Vor allem die jungen deutschen Spieler blühen unter dem neuen Trainer Archibald regelrecht auf und fügten sich nahtlos in das gut harmonierende Kollektiv ein.

 

Einziger Wehrmutstropfen an diesem Tag war die überharte Spielweise mancher Spieler. Rugby ist eine harte, körperbetonte Kontaktsportart bei der natürlich Verletzungen passieren  und auch einmal die Gemüter überkochen können. Einige Spieler sollten jedoch einmal tief in sich gehen und überlegen, warum sie diese Sportart ausüben und ob sie vielleicht nicht doch lieber ins Boxen oder in eine andere Kampfsportart wechseln möchten – denn auch das Rugbyspielfeld ist keine rechtsfreie Zone. Es geht entschieden zu weit, wenn man Angst haben muss, das Spielfeld noch auf beiden Beinen verlassen zu können.

Glücklicherweise gab es keine ernsthaften Verletzungen, man sollte diese Vorfälle jedoch auch nicht einfach totschweigen. Die Spieler der 1.Bundesliga und besonders die Nationalspieler sind Vorbilder für den Nachwuchs – von wem sollen die Kinder und Jugendlichen einen fairen Umgang mit dem Gegenspieler lernen, wenn nicht von ihnen?

 

Der HRK blickt nun erwartungsvoll in die kommenden Wochen. Die Niederlage in der Bundesliga gegen Frankfurt steckt sicherlich noch in den Köpfen der Spieler und man freut sich auf das Pokalspiel gegen die „Weltauswahl vom Main“, die von ihrem Kurs auf den Nachwuchs zu setzen doch stark abgewichen ist. Das Spiel wird eine echte Standortbestimmung für den Klub und bis dahin werden die Schützlinge von Murray Archibald noch einige harte Trainingseinheiten vor sich haben, um dann dem Favoriten vom Main ein Bein zu stellen.

Es wird auch das erste Spiel ohne unseren australischen Freund Henry Burridge sein, den der HRK leider wieder in Richtung Heimat ziehen lassen muss. Der HRK wünscht ihm alles Gute für seinen weiteren Lebensweg.