Hätte jemand vor dem Spiel prophezeit, dass der Klub in Hannover mit einem 15:11 Sieg zufrieden sein muss, wäre er sicherlich von dem ein oder anderen etwas belächelt worden. Zu zielstrebig agierte der HRK in dieser Saison – mit der besten Verteidigung der Liga und dem neben Frankfurt wohl angriffslustigstem und schnellstem Angriffsrugby überzeugte der HRK in den vergangenen Spielen auch seine schärfsten Kritiker. Doch manchmal kommt eben alles anders als man denkt und als der Unparteiische Frederking pünktlich um 14.30Uhr das Spiel anpfiff ahnte noch niemand, dass dem HRK das wohl härteste und knappste Spiel der Saison bevorstehen sollte.
Es dauerte einige Minuten, bis sich beide Mannschaften mit dem rutschigen Geläuf an der Beeke angefreundet hatten. Die ersten Minuten dominierten Unsicherheiten auf beiden Seiten die Partie, der HRK hatte jedoch mehr Spielanteile. So war es Pretorius, der nach knapp einer Viertelstunde den HRK per Strafkick mit 3:0 in Führung brachte. Die Angriffe des HRK wurden immer wieder von der stark verteidigenden Hannoveraner Mannschaft gestoppt und die vom HRK gewohnten gefährlichen, weiten Passangriffe waren aufgrund der Verhältnisse kaum umzusetzen. Dies kam dem DRC natürlich entgegen, der mit seinem kompakten Sturm ein ums andere Mal den HRK nach hinten drängen konnte. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass der DRC seinen ersten und einzigen Versuch an diesem Tage nach einem sauberen Aufbruch vom Gedränge durch die Nr.6 Laveta Matanisiga erzielen konnte. Die Erhöhung misslang.
Die Führung des DRC schien nun endlich der Weckruf für den bis dahin glücklosen agierenden Tabellenzweiten zu sein. Man besann sich endlich auf seine Stärken und das Spiel wurde durch den wieder bestens aufgelegten Gedrängehalb Christoffer Neureuther schneller geöffnet. Der Spielführer des „Team Capri Sonne“, Frederick Potgieter, war es dann, der den ersten Versuch für den Klub an der Eckfahne nach Vorarbeit von Andreas Kerber erzielen konnte. Die Erhöhung misslang und so ging der HRK wieder mit 8:5 in Führung.
Nur wenige Minuten später war es dann Steffen Liebig, der nach einer schnellen Pass Stafette die Überzahl herstellte und an der Eckfahne ins Malfeld eintauchen konnte. Die Erhöhung von ganz außen war für Pretorius kein Problem und nach einem verwandelten Straftritt durch den DRC Kicker Alexander Luft ging es mit dem Stand von 15:8 in die Halbzeitpause.
Die zweite Halbzeit begann der Klub zunächst druckvoll, doch dann brachen für die HRK Stürmer die wohl härtesten 30 Minuten ihres Rugby Lebens an. Nach wiederholtem Abseits sah Andreas Kerber die Gelbe Karte und mit Überzahl drückt der DRC nun mit aller Macht auf den Ausgleich und setzte sich für mehr als 20 Minuten in der 22 des HRK fest. Ein ums andere Mal rollte der DRC mit seinem gefürchteten Sturmspiel auf das Malfeld des Klubs zu, doch jedes Mal war die bärenstarke Verteidigung des HRK zur Stelle – es waren jedes Mal nur Zentimeter, die den Klub vor dem Anschlussversuch des DRC bewahrten. Als glücklicher Umstand erwies sich dann letztendlich, dass der DRC mit Biegen und Brechen einen Versuch erzielen wollte. Hätte der DRC die zugesprochenen Straftritte konsequent genutzt (nur ein Straftritt wurde zu den Stangen gesetzt und verwandelt), wer weiß wie das Spiel dann ausgegangen wäre – so war es dann jedoch der HRK, der sich aus der Umklammerung befreien konnte und die letzten Minuten das Spiel tief in der DRC Hälfte routiniert zu Ende brachte.
Hervorzuheben wäre auf Seiten des DRC der starke Nationalspieler Benjamin Danso, der oftmals erst von mehreren Spielern gestoppt werden konnte und immer für Gefahr sorgte. Der HRK hingegen darf sich vor allem bei seinen eisern verteidigenden Stürmern bedanken – allen voran Carlo Schmidt und Julio Rodriguez sowie Braam Pretorius auf der Verbinderposition verteidigten fehlerlos.
Es bleibt festzuhalten, dass der DRC in dieser Form wohl für so manche Mannschaft noch ein echter Stolperstein werden kann – Hannover ging von Anfang an volles Risiko und griff mit so gut wie jedem Ball an, auch aus der eigenen 22m Zone. Wenn dann auch noch die schwierigen Witterungsbedingungen, die ihrer Spielweise sicherlich mehr entgegen kamen als den HRKlern, mitspielen, dann wird der DRC aus Hannover noch ein gehöriges Wörtchen mitsprechen im Kampf um den Klassenverbleib.
Der HRK hingegen kann mit dem errungenen Sieg zufrieden in die lange und dringend benötigte Winterpause gehen, solch ein Spiel hätte man wahrscheinlich zu Beginn der Saison noch verloren. Doch der große Zusammenhalt innerhalb des Teams und die Sprünge, die einige Spieler innerhalb der Saison gemacht haben, stimmen zuversichtlich für die Zukunft der jungen Mannschaft. Platz 2 nach der Hinrunde ist sicherlich mehr als alle erwartet haben und nun gilt es die Winterpause zu nutzen, um sich nach einer ausreichenden Erholung konzentriert auf die kommenden Aufgaben vorzubereiten.
Am vergangenen Samstag kam es zu dem mit Spannung erwartendem Heidelberger Derby zwischen dem Heidelberger Ruderklub und dem TSV Handschuhsheim. Nicht nur die aktuelle Tabellenkonstellation versprach eine brisante Partie. Der Tabellenzweite TSV traf auf den direkten Verfolger HRK; das Hinspiel konnte der TSV noch relativ klar für sich entscheiden, doch das Rückspiel fand unter ganz anderen Vorraussetzungen statt. War es noch im Hinspiel der Ruderklub der mit großen Personalproblemen zu Kämpfen hatte (Pretorius, Erasmus und Jordaan fielen damals auf Seiten des HRK aus), so waren es diesmal die Löwen die von vielen Verletzungen geplagt (Alex Pipa, Heising, Lortz, Buckmann sowie Hug fielen allesamt aus) den Weg auf die andere Neckarseite auf sich nahmen. Zudem brachten die Wechsel der vergangenen Jahre vom HRK zum TSV von Wiedemann, Sträßer und vielen anderen HRK Eigengewächsen zusätzliche Brisanz in die Partie.
Pünktlich um 15Uhr pfiff der souveräne Unparteiische Florian Forstmeyer die Partie an. Zunächst war es der TSV, der den HRK in seiner eigenen Hälfte festschnüren konnte und folgerichtig durch einen Straftritt von Wiedemann in Führung ging. Doch das sollten erst einmal für lange Zeit die einzigen Punkte bleiben, die die Löwen bei bestem HRK Wetter erzielen konnten. Der HRK glich umgehend durch den wieder einmal überragend spielenden Braam Pretorius zum 3:3 durch einen Straftritt aus. Die Löwen versuchten daraufhin mit ihrem kompakten Sturm den HRK in Bedrängnis zu bringen, mussten jedoch relativ schnell feststellen, dass an diesem Tage die HRK Abwehr nur schwer zu durchdringen seien würde. Nach etwas mehr als 20 Minuten zeigte dann der HRK, warum er diese Saison so weit oben in der Tabelle steht. Mit schnellem, attraktiven Angriffsrugby brachte die läuferisch überlegene Mannschaft des „Klubs“ ein ums andere mal eklatante Verteidigungsschwächen, vor allem in der Hintermannschaft des TSV, zu Tage. Der überragende Pretorius war es, der einen blitzsauberen Durchbruch erzielte und unter den Malstangen zum Versuch ablegen konnte. Die Erhöhung zum 10: 3 war für ihn kein Problem.

Braam Pretorius` eleganter Kick
Die nächsten Minuten gehörten dann komplett dem HRK. Zunächst vergrößerte Pretorius den Vorsprung des HRK durch einen Straftritt auf 13:3, ehe Steffen Liebig, der nach seinem Nasenbeinbruch ein Blitz Comeback feierte, nach einem simplen Überpass von Sidney Brenner hervorragend in Szene gesetzt, die ganze Hintermannschaft des TSV alt aussehen ließ und im Malfeld zum 18:3 ablegen konnte.

Steffen Liebig wieder im Team
Die Erhöhung durch Pretorius zum 20:3 war wieder kein Problem., was gleichzeitig auch den Halbzeitstand bedeutete, da der Verbinder der Löwen nicht seinen besten (Kick-)Tag hatte.
Die zweite Halbzeit startete dann so, wie die erste aufgehört hatte. Das Spiel gehörte dem „Team Capri Sonne“ und man wollte keinen Zweifel dran aufkommen lassen, dass die Punkte an diesem Tage zu Hause bleiben. Pretorius per Strafkick und Jordaan durch einen Dropkick zementierten die unangefochtene Führung des Klubs. Die kampfstarken Löwen steckten jedoch nicht auf und warfen nun alles nach vorne. Eine minutenlange Belagerung des Malfeldes durch den TSV führte zum Anschluss Versuch durch Eiermann in der 70ten Minute. Der Kick von Wiedemann traf zum wiederholten Male nicht sein Ziel. Die letzten Spielminuten gehörten dann wieder den Zebras. Christopher Liebig, der in eine von dem agilen Halb Christoffer Neureuther gerissene Lücke hineinstach, erstickte alle Hoffnungen der Löwen im Keim. Die Erhöhung durch Steffen Liebig zum 33:3 war kein Problem.
Von nun an warf der HRK alles nach vorne, der so wichtige Bonuspunkt für 4 gelegte Versuche war das Ziel. Andreas Kerber war es dann, der nach einem kämpferischen Solo zum 38:8 Endstand ablegen konnte. Die faire Partie (2 gelbe Karten aufgrund von wiederholtem Abseits für Rodriguez und Meckern für Hartmann) wurde vom Unparteiischen Forstmeyer souverän geleitet.
Nächste Woche geht es dann für den HRK zum DRC nach Hannover. Noch allzu gut steckt den Spielern die bittere Niederlage der vergangenen Saison in Hannover in den Köpfen, die den HRK an den Rande des Abstiegs gebracht hatte. Der HRK präsentiert sich diese Saison zwar in einer unglaublichen Form, wenn man vergangene Saison als Vergleich heranzieht, jedoch ist allen bewusst, dass letztes Jahr auch ein 1880 Frankfurt in Hannover bitteres Lehrgeld bezahlen musste. Gerade bei den zu erwartenden Wetterbedingungen ist Hannover zu Hause immer für eine Überraschung gut und der HRK wird in dieser Trainingswoche alles daran setzen, um die bisher starke erste Hälfte der Saison 2008/2009 mit einem Sieg mit Bonuspunkt zu krönen.
Im Anschluss an das Spiel der beiden 1.Mannschaften kreuzten auch die zweiten Mannschaften der beiden Bundesliga Spitzenklubs die Klingen.
Das Ergebnis fiel, zu Verwunderung aller, auch hier überraschend deutlich aus. Die junge Nachwuchstruppe des HRK begeisterte die Zuschauer mit erfrischendem Angriffsrugby und erzielte dabei 7 schön herausgespielte Versuche. Die hervorragende Arbeit von Coach Archibald macht sich also nun so langsam nicht nur in der 1.Mannschaft, sondern auch bei der 2.Manschaft des Klubs eindrucksvoll bemerkbar.
Das Spiel endete 47:10 für den Heidelberger Ruderklub, welcher am kommenden Sonntag in Köln auf den unangefochtenen Spitzenreiter ASV Köln trifft. In der derzeitigen Form ist jedoch auch für die junge Nachwuchsmannschaft des Klubs ein Punktgewinn nicht aussichtslos.
SL